Best-Practice – Teilzeitausbildung bei der Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.

In einem persönlichen Gespräch mit dem Jobcenter Bonn erzählt Michael Kramer, Koordinator für duale Ausbildung in der Friedrich-Ebert-Stiftung, warum die Teilzeitberufsausbildung ein interessantes Ausbildungsmodell ist und wie Unternehmen davon profitieren können.


Wie haben Sie von der Möglichkeit, in Teilzeit auszubilden, erfahren?

Zum ersten Mal sind wir mit dem Thema vor rund 10 Jahren in Berührung gekommen, als wir eine alleinerziehende Mutter als Auszubildende hatten.

Daraufhin haben wir uns bei der IHK erkundigt, ob und wie man die Ausbildung organisieren könne, damit Familie und Ausbildung sich vereinbaren lassen. Später sind wir dann auch auf das Projekt ModUs des CJD aufmerksam geworden, das junge Mütter bei der Suche nach einem Teilzeitausbildungsplatz unterstützt.

 

Warum haben Sie sich entschlossen, die Option Teilzeitausbildung in Ihrem Betrieb zu nutzen?

Die Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie soziales Engagement allgemein sind uns wichtig. Hier fühlen wir uns dem Leitbild des „Firmengründers“ verpflichtet.
Ein gelernter Beruf ist auf dem Arbeitsmarkt von grundlegender Bedeutung. Der sehr hohe Anteil von Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung unter Empfängern von Arbeitslosengeld II belegt dies.

 

Was sind aus Ihrer Sicht die Vorteile für den Ausbildungsbetrieb?

Dass wir die Kolleginnen nach Abschluss der Teilzeitausbildung übernommen haben, spricht eigentlich für sich, denn alle waren schon während der Ausbildung hochmotiviert bei der Sache. Die Energie und der Wille, zu einem erfolgreichen Abschluss zu kommen, waren deutlich zu spüren. Wenn die Kinderbetreuung geregelt ist, leiden die Auszubildenden in der Regel nicht unter Zeitdruck und können sich auf ihre Ausbildung konzentrieren.
Wir streben nach Abschluss der Ausbildung immer eine Übernahme an und schaffen dadurch eine weitere Perspektive für Auszubildende und Ausbildungsbetrieb.

 

Welche Nachteile sehen Sie?

Die Ablauforganisation der Ausbildung muss immer individuell angepasst werden. Es ist nicht immer leicht, die Fertigkeiten und Kenntnisse innerhalb der kürzeren Arbeitszeit optimal betrieblich zu vermitteln. Da wir großen Wert auf „Learning by doing“ legen und die Azubis bestmöglich in die Arbeitsabläufe eingebunden sind, kann es dazu führen, dass die eine oder andere Aufgabe aus Termingründen nicht vollumfänglich erledigt werden kann. Das ist natürlich auch bei Vollzeit-Azubis durch den Berufsschulbesuch so, aber bei der Teilzeitausbildung kommt die Verkürzung der täglichen Arbeitszeit noch hinzu.

v.l.n.r.: Michael Kramer, Natascha Krieger, Miriam Esser und Valerie Eulberg. Alle drei wurden nach erfolgreichem Abschluss ihrer Ausbildung im Bürofach übernommen.


 

Was könnte man Ihrer Meinung nach verändern oder verbessern?

Informationen über die Möglichkeiten einer Teilzeitausbildung sollten „offensiv“ an potentielle Ausbildungsbetriebe vermittelt werden. Wenn man von zuständiger Seite die Öffentlichkeitsarbeit forciert, kann man sicher einiges bewirken.

Die Berufsschulen sollten hin und wieder etwas toleranter und flexibler reagieren, wenn es bei jungen Müttern zu Fehlzeiten oder Verspätungen kommt, die mit der Kindesbetreuung zusammenhängen. Da sollte man nicht direkt mit negativen Einträgen oder Vermerken arbeiten.

 

Wie funktioniert es, die praktischen Ausbildungsinhalte in der kürzeren Zeit zu vermitteln?

Die Inhalte des Ausbildungsplans lassen sich durchaus komprimierter abarbeiten, ohne deswegen etwas Wesentliches auszulassen.

Wenn man die Verbindung von Ausbildungsinhalten und Tätigkeiten im Rahmen der Ablauforganisation vorausschauend plant und flexibel den zeitlichen Gegebenheiten anpasst, klappt das eigentlich gut.

 

Wie ist das Verhältnis zwischen des Auszubildenden in Vollzeit und in Teilzeit?

Soweit ich das beurteilen kann, sehr gut. Die persönlichen und betrieblichen Beziehungen werden durch Teil- bzw. Vollzeit nicht beeinflusst.

 

Würden Sie das Modell anderen Arbeitgebern weiterempfehlen?

Ja. Wenn der Ausbildungsbetrieb es organisatorisch leisten kann, ist die Teilzeitausbildung eine tolle Option. Wir haben so jedenfalls schon mehrere sehr engagierte Kolleginnen für uns gewonnen.